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Irreführend Klima & EnergieWirtschaft & Soziales

Einzelne Fakten stimmen, das Gesamtbild täuscht.

„Die erneuerbaren Energien sind schuld an den hohen Strompreisen“

Die Behauptung

„Wind und Sonne haben den Strom so teuer gemacht – die Energiewende ruiniert uns.“

Kurzantwort

Den Preissprung 2022 hat vor allem der Gaspreis-Schock ausgelöst, nicht die Erneuerbaren. Wind und Sonne haben extrem niedrige Betriebskosten und senken den Börsenpreis sogar. Die alte Ökostrom-Umlage ist seit 2022 abgeschafft und steht gar nicht mehr auf der Rechnung.

Fakt + Quelle + Link – griffbereit für Gespräche und Social Media.

Wind und Sonne kosten im Betrieb fast nichts – sie drücken den Börsenstrompreis sogar nach unten. Der große Preisschock kam 2022 aus einer anderen Richtung: dem Erdgas. Wer die Erneuerbaren zum Hauptschuldigen erklärt, verwechselt zeitliches Zusammentreffen mit Ursache.

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Einstieg

Strom wurde 2021/2022 vor allem deshalb teuer, weil Gas dramatisch teurer wurde – infolge des russischen Angriffskriegs und gedrosselter Lieferungen. Und Gaskraftwerke bestimmen an der Börse oft den Preis (dazu unten mehr).

Die Erneuerbaren wirken sogar preissenkend:

  • Sonne und Wind haben keine Brennstoffkosten. Wenn viel davon eingespeist wird, sinkt der Börsenpreis.
  • Die frühere Ökostrom-Umlage (EEG-Umlage) wurde 2022 abgeschafft. Sie taucht auf der Stromrechnung gar nicht mehr auf.

Ein berechtigter Teilpunkt: Der Netzausbau kostet Geld, und das zeigt sich in den Netzentgelten. Aber das ist ein kleinerer, langfristiger Faktor – nicht der Auslöser der Preisspitze.

Vertiefung

Um die Strompreise zu verstehen, hilft die Merit-Order: An der Strombörse werden Kraftwerke nach ihren Betriebskosten sortiert und so lange zugeschaltet, bis der Bedarf gedeckt ist. Den Preis für alle setzt das teuerste noch benötigte Kraftwerk – häufig ein Gaskraftwerk.

Daraus folgt:

  • Teures Gas → teurer Strom. Steigt der Gaspreis, steigt der Börsenpreis, selbst wenn gerade viel billiger Wind- und Solarstrom im Netz ist. Genau das passierte 2022.
  • Mehr Erneuerbare → niedrigerer Preis. Viel Wind/Sonne verdrängt teure Gaskraftwerke aus der Merit-Order. Dieser „Merit-Order-Effekt“ senkt den Großhandelspreis.

Was die Stromrechnung sonst noch ausmacht: ein erheblicher Teil sind Steuern, Abgaben und Netzentgelte. Die Netzentgelte steigen teils durch den Aus- und Umbau der Netze – auch für die Integration von Wind- und Solarstrom. Das ist der Körnchen-Wahrheit-Anteil an der Behauptung, erklärt aber nicht den Preissprung der Krise.

Wissenschaftlich

Preisbildung. Der Day-Ahead-Großhandelspreis folgt dem Grenzkostenprinzip (Marginal Pricing): Das Gebot des teuersten noch benötigten Kraftwerks bestimmt den einheitlichen Markträumungspreis. In Deutschland ist das in vielen Stunden ein Gaskraftwerk, weshalb der Gaspreis stark auf den Strompreis durchschlägt. Die Großhandelsdaten dazu sind öffentlich über SMARD der Bundesnetzagentur einsehbar.

Merit-Order-Effekt. Erneuerbare mit Grenzkosten nahe null werden zuerst eingesetzt und verschieben die Angebotskurve nach rechts; das senkt – bei gegebener Nachfrage – den markträumenden Preis. Empirisch ist dieser dämpfende Effekt gut belegt.

Gestehungskosten (LCOE). Studien des Fraunhofer ISE zeigen, dass neue PV- und Onshore-Wind-Anlagen heute zu den günstigsten Optionen der Stromerzeugung gehören – günstiger als neue fossile oder nukleare Kraftwerke. „Erneuerbare = teuer“ trifft auf neue Kapazitäten nicht zu.

Umlage-Realität. Die EEG-Umlage wurde zum 1. Juli 2022 auf null gesenkt und anschließend abgeschafft; die Förderung läuft seither über den Bundeshaushalt bzw. Sondervermögen. Auf der Endkundenrechnung entfällt dieser Posten damit. Die verbleibenden Bestandteile sind v.a. Beschaffung/Vertrieb, Netzentgelte, Stromsteuer, Konzessionsabgabe und Umsatzsteuer.

Netzkosten als reales Thema. Der Ausbau der Übertragungs- und Verteilnetze (u.a. für räumlich verteilte Erneuerbare) erhöht die Netzentgelte. Das ist ein langfristiger Kostentreiber und ein legitimer Diskussionspunkt – aber er ist von der gasgetriebenen Preisspitze 2022 sauber zu trennen.

Technik erkannt: Falsche Ursache-Wirkung & Cherry Picking

Aus dem zeitlichen Zusammenfallen von Energiewende-Ausbau und hohen Preisen wird eine Ursache konstruiert – obwohl der eigentliche Treiber (Gaspreis-Schock) ausgeblendet und der preissenkende Effekt der Erneuerbaren weggelassen wird.

Die Zahlen im Überblick

Was von der früheren Ökostrom-Umlage übrig ist
0 ct
EEG-Umlage auf deiner Stromrechnung – seit Juli 2022 abgeschafft.
Bundesnetzagentur · StrompreisanalysePrimärquelle
Bestandteile des Strompreises – keine EEG-Umlage mehr enthalten

Typische Anteile laut Strompreisanalyse; exakte Werte schwanken je Jahr und Anbieter.

Beschaffung & VertriebNetzentgelteSteuern & Abgaben
Bundesnetzagentur · Strompreisanalyse

Quellen

Alle Aussagen sind belegt. Primärquelle kennzeichnet amtliche bzw. originäre Daten (z.B. Statistisches Bundesamt, Fachstudien).

  1. SMARD – Strommarktdaten (Börsenpreise, Erzeugung) Primärquelle
    Bundesnetzagentur
  2. Stromgestehungskosten erneuerbarer Energien (Studie) Primärquelle
    Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE)
  3. Strompreisanalyse und -bestandteile
    Bundesnetzagentur

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