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Größtenteils falsch Migration & AsylWirtschaft & Soziales

Der Kern der Behauptung stimmt nicht.

„Migranten kosten den Sozialstaat nur und zahlen nichts ein“

Die Behauptung

„Zuwanderer leben auf Kosten der Steuerzahler und sind unterm Strich ein Verlustgeschäft.“

Kurzantwort

Pauschal stimmt das nicht. Studien zeigen, dass Zugewanderte über ein Erwerbsleben hinweg im Schnitt Steuern und Beiträge zahlen – oft mehr, als sie an Leistungen erhalten. Entscheidend ist die Arbeitsmarktintegration, nicht die Herkunft; und ohne Zuwanderung würden die Renten- und Pflegekassen schneller unter Druck geraten.

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Ob Zuwanderung den Sozialstaat be- oder entlastet, hängt fast vollständig davon ab, ob Menschen in Arbeit kommen – nicht von ihrem Pass. Wer arbeitet, zahlt Steuern und Sozialbeiträge. Und in einer alternden Gesellschaft hält genau das die Renten- und Pflegekassen am Laufen.

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Einstieg

Die pauschale Rechnung „Migranten kosten nur" lässt das Wichtigste weg: die eingezahlte Seite. Wer hier arbeitet, zahlt Lohnsteuer, Mehrwertsteuer, Renten-, Kranken- und Pflegebeiträge – oft jahrzehntelang.

Drei Punkte gegen den Mythos:

  • Es kommt auf Arbeit an, nicht auf Herkunft. Gut integrierte Erwerbstätige sind Netto-Einzahler, egal woher sie kommen. Schlecht integrierte (egal welcher Herkunft) kosten mehr.
  • Demografie: Deutschland altert. Ohne Zuwanderung gäbe es noch weniger Beitragszahler für Rente und Pflege – das System geriete schneller unter Druck.
  • Verschiedene Gruppen: Eine Fachkraft mit Job, eine Studentin, ein Schutzsuchender im Asylverfahren – das sind völlig unterschiedliche Fälle. Sie alle in einen Topf zu werfen, verzerrt das Bild.

Es gibt echte Kosten, gerade in der Anfangsphase und bei schlechter Integration. Aber „zahlen nichts ein" ist falsch.

Vertiefung

Worauf es bei der fiskalischen Bilanz ankommt:

  • Lebensverlaufsperspektive. In den ersten Jahren (Sprache, Anerkennung, Qualifizierung) überwiegen oft die Kosten. Über das gesamte Erwerbsleben drehen sich die Vorzeichen meist, sobald Menschen stabil beschäftigt sind. Eine Momentaufnahme „dieses Jahr Kosten X" sagt wenig über die Lebensbilanz.
  • Beschäftigungsquote ist der Hebel. Studien (u.a. SVR, IAB) zeigen: Steigt die Erwerbsquote von Zugewanderten, verbessert sich die fiskalische Bilanz schnell und deutlich. Hürden wie langsame Anerkennung von Abschlüssen oder Arbeitsverbote im Asylverfahren verschlechtern sie – das sind politische Stellschrauben.
  • Auch Einheimische „kosten". Generationenbilanzen zeigen: Über ein Leben gerechnet erhält praktisch jede Person in bestimmten Phasen (Kindheit, Bildung, Alter) mehr, als sie gerade zahlt. „Kostet Sozialleistungen" ist also kein Migrations-Spezifikum.
  • Geflüchtete vs. Erwerbsmigration. EU-Binnenmigration und gezielte Fachkräftezuwanderung sind fiskalisch meist klar positiv. Bei Geflüchteten entscheidet die Geschwindigkeit der Arbeitsmarktintegration.

Wissenschaftlich

Methodische Zugänge. Es gibt zwei Hauptansätze. Die statische (Querschnitts-)Betrachtung vergleicht in einem Jahr gezahlte Steuern/Beiträge mit empfangenen Leistungen pro Person – sie ist anfällig für Alters- und Statuseffekte. Die dynamische Generationenbilanz (z.B. Bonin/ZEW im Auftrag der Bertelsmann Stiftung) diskontiert Zahlungsströme über den gesamten Lebensverlauf und berücksichtigt implizite Staatsschulden. Beide Ansätze haben Annahmen, die das Ergebnis stark beeinflussen (Diskontsatz, Zuordnung öffentlicher Güter wie Verteidigung, Erwerbsverlauf).

Befunde. Über die Methoden hinweg gilt robust: Das Vorzeichen der Bilanz hängt primär an der Erwerbsbeteiligung und am Qualifikationsniveau, nicht an der Nationalität. Erwerbstätige Zugewanderte sind typischerweise Netto-Beitragszahler; die fiskalische Belastung konzentriert sich auf Phasen geringer Beschäftigung und auf die Integrationsanfangskosten. Mehrere Generationenbilanzen kommen zu einem positiven Nettobeitrag pro zugewanderter Person bei hinreichender Integration.

Demografischer Kontext. Die Erwerbsbevölkerung schrumpft; das IAB beziffert den jährlichen Nettozuwanderungsbedarf zur Stabilisierung des Arbeitskräfteangebots auf eine sechsstellige Größenordnung. Umlagefinanzierte Systeme (Rente, Pflege, GKV) sind direkt auf das Verhältnis von Beitragszahlern zu Leistungsempfängern angewiesen – Zuwanderung verbessert dieses Verhältnis tendenziell, löst die Alterung aber nicht allein.

Was die Behauptung übersieht. Sie isoliert die Ausgabenseite (Cherry Picking), setzt heterogene Gruppen gleich (Fachkraft = Asylsuchender) und nennt absolute Kosten ohne die Einnahmen und ohne die kontrafaktische Frage: Was wäre der Zustand der Sozialkassen ohne Zuwanderung?

Technik erkannt: Cherry Picking & falsche Gleichsetzung

Es wird nur die Ausgabenseite gezeigt und alle Zuwanderungsgruppen werden gleichgesetzt. Eine ehrliche Bilanz nennt Einnahmen und Ausgaben, unterscheidet die Gruppen und betrachtet den gesamten Lebensverlauf.

Quellen

Alle Aussagen sind belegt. Primärquelle kennzeichnet amtliche bzw. originäre Daten (z.B. Statistisches Bundesamt, Fachstudien).

  1. Migration und Sozialstaat / fiskalische Effekte der Zuwanderung (Studien)
    Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR)
  2. Bevölkerung mit Migrationshintergrund, Erwerbstätigkeit, Sozialleistungen Primärquelle
    Statistisches Bundesamt (Destatis)
  3. Fiskalische Wirkungen von Zuwanderung / Generationenbilanz (Bonin u.a.)
    Bertelsmann Stiftung / ZEW
  4. Migration und Arbeitsmarkt – Daten und Analysen Primärquelle
    Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB)

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