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Irreführend Kriminalität & SicherheitMigration & Asyl

Einzelne Fakten stimmen, das Gesamtbild täuscht.

„Ausländer sind krimineller als Deutsche“

Die Behauptung

„Die Kriminalstatistik beweist, dass Ausländer deutlich krimineller sind als Deutsche.“

Kurzantwort

Die Rohzahlen der Kriminalstatistik taugen nicht für diesen Vergleich. Sie zählen Verdächtige, nicht Verurteilte, enthalten Delikte, die nur Nichtdeutsche begehen können, und blenden Alter, Geschlecht und soziale Lage aus – genau die Faktoren, die Kriminalität am stärksten erklären.

Fakt + Quelle + Link – griffbereit für Gespräche und Social Media.

Kriminalität entsteht nicht durch einen Pass, sondern durch Lebensumstände. Wer Alter, Geschlecht und soziale Lage berücksichtigt, sieht: Die Staatsangehörigkeit erklärt fast nichts – die Lebenslage erklärt fast alles. Die oft zitierten „Beweise“ aus der Kriminalstatistik vergleichen schlicht Ungleiches.

Wie ausführlich? Du kannst jederzeit wechseln – deine Wahl bleibt gespeichert

Einstieg

Es stimmt: In den Rohzahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) tauchen Nichtdeutsche häufiger als Tatverdächtige auf, als es ihrem Bevölkerungsanteil entspricht. Daraus „Ausländer sind krimineller“ zu machen, ist aber ein Denkfehler.

Drei einfache Gründe:

  • Die PKS zählt Tatverdächtige, nicht Verurteilte. Ein Verdacht ist noch keine Schuld.
  • Ein Teil der gezählten Delikte sind Verstöße gegen das Aufenthaltsrecht – die kann ein Deutscher gar nicht begehen. Sie blähen die Statistik künstlich auf.
  • Verglichen werden zwei sehr unterschiedliche Gruppen: Unter Zugewanderten sind viel mehr junge Männer – und junge Männer begehen in jeder Bevölkerung mehr Straftaten, egal welcher Herkunft.

Kurz: Nicht der Pass macht den Unterschied, sondern wer in der Gruppe steckt und wie er lebt.

Vertiefung

Oft wird so gerechnet: Nichtdeutsche stellen rund 15 % der Bevölkerung, aber einen viel höheren Anteil der Tatverdächtigen (in der PKS 2024 z.B. gut ein Drittel, auch ohne rein ausländerrechtliche Delikte). Klingt eindeutig – ist es aber nicht. Diese Faktoren erklären den Abstand:

  1. Demografie. Die zugewanderte Bevölkerung ist im Schnitt jünger und männlicher. Die kriminell aktivste Gruppe sind überall junge Männer (etwa 14–30 Jahre). Vergleicht man Deutsche und Nichtdeutsche desselben Alters und Geschlechts, schrumpft der Abstand massiv.

  2. Soziale Lage. Armut, beengtes Wohnen, geringere Bildung, prekäre Arbeit und das Leben in sozialen Brennpunkten erhöhen die Kriminalitätsbelastung – unabhängig von der Herkunft. Zugewanderte sind von diesen Faktoren überdurchschnittlich betroffen.

  3. Aufenthaltsrechtliche Delikte. Straftaten wie illegale Einreise oder Verstöße gegen das Aufenthaltsgesetz können per Definition nur von Nichtdeutschen begangen werden.

  4. Wer wird überhaupt gezählt? Nicht alle tatverdächtigen „Ausländer“ wohnen in Deutschland (Tourist:innen, Durchreisende, irregulär Anwesende). Sie tauchen als Tatverdächtige auf, fehlen aber im Nenner der Wohnbevölkerung – das verzerrt jede Quote nach oben.

  5. Anzeigeverhalten. Taten von fremd wirkenden Personen werden häufiger angezeigt. Eine vielzitierte Studie zu Jugendgewalt fand: Bei Tätern mit Migrationsgeschichte wurde in 22,4 % der Fälle Anzeige erstattet, bei Tätern ohne nur in 7,9 %. Mehr Anzeigen heißt mehr PKS-Einträge – nicht zwingend mehr Taten.

Wenn diese Faktoren herausgerechnet werden, bleibt von der pauschalen Aussage kaum etwas übrig.

Wissenschaftlich

Was die PKS ist – und was nicht. Die PKS ist eine Ausgangsstatistik der Polizei: Sie erfasst polizeilich bekannt gewordene Fälle und Tatverdächtige zum Zeitpunkt des Abschlusses der polizeilichen Ermittlungen. Sie bildet damit registrierte Verdachtsfälle ab, nicht die tatsächliche Kriminalität (Dunkelfeld) und nicht gerichtlich festgestellte Schuld. Das BKA selbst weist in den methodischen Hinweisen darauf hin, dass die PKS nur eingeschränkt für Vergleiche zwischen Bevölkerungsgruppen geeignet ist.

Das Vergleichsproblem. Für eine belastbare Aussage bräuchte man eine Tatverdächtigenbelastungszahl (Verdächtige je 100.000 der jeweiligen Gruppe), die zusätzlich nach Alter, Geschlecht und sozioökonomischem Status standardisiert ist. Schon der Nenner ist heikel: Touristen und irreguläre Aufenthalte tauchen in der Wohnbevölkerung nicht sauber auf, können aber als Tatverdächtige gezählt werden – das verzerrt die Quote nach oben.

Confounding. Staatsangehörigkeit korreliert mit Alter, Geschlecht und sozialer Lage. Diese sind die eigentlichen Treiber. Wer nur nach Pass vergleicht, begeht einen klassischen Fehlschluss (Verwechslung von Korrelation und Kausalität, ausgelöst durch nicht kontrollierte Störvariablen). Forschungsarbeiten, die für diese Variablen kontrollieren, finden, dass der Herkunftseffekt stark zusammenschrumpft oder verschwindet.

Seriöse Einordnung findet sich u.a. beim Mediendienst Integration und der bpb, die die PKS-Methodik und die Confounder ausführlich aufarbeiten. Wer mit Zahlen argumentieren will, sollte die Original-PKS und standardisierte Auswertungen heranziehen – nicht den Sammelwert aus der Schlagzeile.

Technik erkannt: Fehlender Bezugswert & Cherry Picking

Eine absolute Rohzahl wird ohne die nötigen Bezugsgrößen (Alter, Geschlecht, soziale Lage, Deliktart) präsentiert – und die störenden Faktoren werden weggelassen. So entsteht aus einer komplexen Datenlage eine scheinbar eindeutige Botschaft.

Die Zahlen im Überblick

Anzeigequote bei Jugendgewalt – gleiche Tat, ungleich oft angezeigt
Mit MigrationsgeschichteAnteil angezeigter Fälle
22.4%
Ohne MigrationsgeschichteAnteil angezeigter Fälle
7.9%
Studie zu Jugendgewalt · Polizeiliche KriminalstatistikPrimärquelle
Anteil an Bevölkerung vs. an Tatverdächtigen – Rohzahl ohne Alter, Geschlecht, Deliktart

Rohzahl, nicht demografisch bereinigt – genau das ist die Masche „fehlender Bezugswert“.

Anteil an der Bevölkerung
15%
Anteil an TatverdächtigenRohzahl, unstandardisiert
33%
Polizeiliche Kriminalstatistik (BKA), 2024Primärquelle

Quellen

Alle Aussagen sind belegt. Primärquelle kennzeichnet amtliche bzw. originäre Daten (z.B. Statistisches Bundesamt, Fachstudien).

  1. Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) – Jahrbücher und Methodenhinweise Primärquelle
    Bundeskriminalamt (BKA) · jährlich
  2. Die wichtigsten Fragen zur Ausländerkriminalität
    Mediendienst Integration
  3. Migration und Kriminalität – Dossier Innere Sicherheit
    Bundeszentrale für politische Bildung (bpb)

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