Statistik richtig lesen
Die häufigsten Fallen beim Umgang mit Zahlen – und wie man sie umgeht.
Zahlen wirken objektiv – und genau deshalb lassen sie sich besonders gut zum Täuschen einsetzen. Diese Fallen tauchen in Desinformation immer wieder auf.
Absolute Zahl ohne Bezugsgröße
„100.000 Fälle!“ klingt dramatisch – aber von wie vielen? Pro Jahr, pro Kopf, im Vergleich zu früher? Eine Zahl ohne Bezug ist fast nie aussagekräftig. Frag immer: im Verhältnis wozu?
Verdacht ≠ Verurteilung, Korrelation ≠ Kausalität
Zwei der häufigsten Verwechslungen:
- Eine Verdachtsstatistik (wer wird verdächtigt) ist etwas anderes als eine Verurteilungsstatistik (wer ist schuldig).
- Wenn zwei Dinge zusammen auftreten, heißt das nicht, dass das eine das andere verursacht. Oft steckt eine dritte, unbeachtete Ursache dahinter (eine Störvariable).
Nicht standardisierte Gruppenvergleiche
Zwei Gruppen zu vergleichen, ohne Alter, Geschlecht und soziale Lage anzugleichen, führt fast immer in die Irre – weil diese Faktoren das Ergebnis stärker treiben als das Merkmal, um das es angeblich geht.
Rosinenpickerei (Cherry Picking)
Ein einzelner Ausschnitt – ein gutes Jahr, eine günstige Region, ein einzelner Datenpunkt – wird herausgegriffen, der Rest weggelassen. Gegenmittel: Schau dir die gesamte Reihe an, nicht den Ausschnitt.
Verzerrte Achsen und Grafiken
Eine abgeschnittene y-Achse lässt kleine Unterschiede riesig aussehen. Prüfe, wo die Achse beginnt und welche Skala verwendet wird.
Basisrate vergessen
Selbst ein „95 % treffsicherer Test“ produziert bei einem seltenen Ereignis überwiegend Fehlalarme. Ohne die Grundhäufigkeit (Basisrate) lassen sich Wahrscheinlichkeiten nicht beurteilen.
Schnellcheck für jede Statistik
- Wer hat sie erhoben – und mit welchem Interesse?
- Was genau wird gezählt (Definition)?
- Was ist die Bezugsgröße?
- Über welchen Zeitraum / welche Region?
- Sind die verglichenen Gruppen vergleichbar gemacht worden?
- Gibt es die Originaldaten zum Nachrechnen?