Redaktionsstandards
Die Regeln, nach denen jeder Beitrag entsteht – Belegpflicht, Fairness, Neutralität und ein sachlicher Ton. Grundlage jeder Prüfung.
Glaubwürdigkeit kann man nicht behaupten, nur einhalten. Diese Standards gelten für alle Inhalte und sind die Grundlage jeder Review. Wer mitschreibt, hält sich daran – und kann sich umgekehrt darauf verlassen, dass alle anderen es auch tun.
1. Belegpflicht und Quellen-Hierarchie
Jede zentrale, strittige oder zahlenbasierte Aussage braucht eine Quelle. Vorrang in dieser Reihenfolge:
- Primärquellen – amtliche Statistik (Destatis, BKA, Bundesnetzagentur, UBA, BAMF, Bundesbank), Gesetzestexte, begutachtete Originalstudien.
- Wissenschaftliche Einordnung – Forschungsinstitute, Übersichtsarbeiten, Science Media Center.
- Seriöse Sekundärquellen – etablierte, transparent arbeitende Medien und Faktencheck-Redaktionen.
Nicht ausreichend: anonyme Behauptungen, Einzelmeinungen ohne Daten, Quellen, die selbst keine Belege nennen.
Eine Quelle gilt erst geprüft, wenn beides stimmt
- Erreichbar – der Link führt zu einer existierenden Seite. Ein automatischer Link-Check wacht darüber; tote oder erfundene Links fallen auf.
- Inhaltlich tragend – die Seite belegt die Aussage wirklich, im richtigen Kontext. Das kann keine Automatik leisten: Ein Mensch muss die Quelle gelesen haben, bevor ein Beitrag den Status geprüft bekommt.
Grundsatz: Lieber keine Quelle als eine ungeprüfte. Wer eine Aussage nicht selbst an der Quelle nachgelesen hat, lässt den Beitrag auf Entwurf bzw. In Prüfung und notiert offen, was noch fehlt. Ein Such-Treffer ersetzt nicht das Lesen des Originals.
2. Truth-Sandwich
Fakt zuerst – den Mythos klar markiert nennen – widerlegen – Fakt wiederholen. Die Falschbehauptung nie als ungekennzeichnete Schlagzeile wiederholen. (Mehr dazu unter Richtig widerlegen.)
3. Drei Tiefen, eine Wahrheit
Einstieg, Vertiefung und Wissenschaftlich dürfen unterschiedlich detailliert sein, sich aber nie widersprechen. Der Einstieg vereinfacht – er verfälscht nicht.
4. Fairness statt Strohmann
Behauptungen werden im stärksten vernünftigen Sinn wiedergegeben. Hat eine Behauptung einen wahren Kern, wird er benannt (z. B. „Netzentgelte steigen tatsächlich”). Ziel ist Aufklärung, nicht Diffamierung.
5. Zahlen mit Bezug
Absolute Zahlen immer mit Bezugsgröße (pro Kopf, Zeitreihe, Vergleichsgruppe). Bei Gruppenvergleichen auf Störfaktoren (Alter, Geschlecht, soziale Lage) hinweisen.
6. Ton
Sachlich, ruhig, präzise. Keine Beschimpfungen, kein Spott, keine Emotionalisierung. Wir argumentieren, wir agitieren nicht.
7. Aktualität
Zahlen mit Jahr/Stand versehen. Wo sich Werte häufig ändern (Förderquoten, Regelsätze), auf die jeweils gültige Originalquelle verweisen, statt feste Werte zu zementieren.
8. Transparenz und Korrektur
Alle Änderungen sind öffentlich nachvollziehbar. Inhaltliche Korrekturen werden offen vorgenommen; bei wesentlichen Korrekturen ein Hinweis im Beitrag oder in der Historie.
9. Neutralität gegenüber Personen und Parteien
Geprüft werden Aussagen, nicht Personen. Belegpflicht und Fairness gelten unterschiedslos für jede Behauptung – egal, von welcher Seite sie kommt. Dass bestimmte Themen und Akteure in Beispielen häufiger vorkommen, ergibt sich aus der Faktenlage und dem Bedarf, nicht aus einer parteilichen Ausrichtung.
Kurz-Checkliste vor dem Veröffentlichen
- Quellen vorhanden, Links erreichbar und Inhalt selbst nachgelesen
- Primärquellen, wo möglich
- Alle drei Tiefen vorhanden und widerspruchsfrei
- „So prüfst du das selbst” mit nachvollziehbaren Schritten
- Behauptung fair wiedergegeben
- Zahlen mit Bezug und Datum
- Sachlicher Ton
Am einfachsten hältst du das alles ein, wenn du den Faktencheck-Baukasten nutzt: Er führt dich Schritt für Schritt durch genau diese Felder und zeigt dir live, wie der Beitrag aussieht.