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Irreführend Umwelt & LandwirtschaftKlima & Energie

Einzelne Fakten stimmen, das Gesamtbild täuscht.

„Windräder töten Unmengen Vögel und sind eine Hauptursache des Artensterbens“

Die Behauptung

„Windkraftanlagen sind „Vogelschredder“ – sie töten so viele Vögel, dass sie eine Hauptursache des Vogel- und Artensterbens sind.“

Kurzantwort

Windräder töten Vögel – das stimmt und ist beim Standort ernst zu nehmen. In der Größenordnung sind sie aber eine der kleinsten Ursachen: Weit mehr Vögel sterben an Glasscheiben, Katzen und im Straßenverkehr. Den Rückgang von Vögeln und Insekten treiben vor allem Landnutzung, Pestizide und Klimawandel – nicht die Windkraft.

Fakt + Quelle + Link – griffbereit für Gespräche und Social Media.

Diese Behauptung hat einen wahren Kern: Windräder töten tatsächlich Vögel und Fledermäuse, und an ungünstigen Standorten kann das einzelne Arten (etwa den Rotmilan) gefährden. Standortwahl und Auflagen sind deshalb berechtigt. Falsch wird es bei der Größenordnung und bei der Behauptung, die Windkraft sei die Ursache des Artensterbens.

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Einstieg

Man muss zwei Fragen trennen: Wie viele Vögel sterben an Windrädern – und sind dadurch Arten bedroht?

Zur Menge. In absoluten Zahlen ist die Windkraft eine kleine Verlustursache: Weit mehr Vögel sterben an Glasscheiben, im Straßenverkehr und durch freilaufende Katzen. Die große Forschungsstudie PROGRESS (im Auftrag des Bundes) zeigt, dass der Großteil der an Windrädern verunglückten Vögel häufige, ungefährdete Arten der Agrarlandschaft sind (Feldlerche, Star, Stockente, Ringeltaube, Möwen). Eine Gefährdung des millionenfachen nächtlichen Zugs nordischer Singvögel durch Windräder lässt sich nach PROGRESS ausschließen.

Zur Artgefährdung. Für die meisten Arten gefährdet die Windkraft den Bestand nicht. Es gibt aber Ausnahmen: Für Rotmilan und Mäusebussard kann die zusätzliche Kollisions-Sterblichkeit bei weiterem Ausbau bestandsrelevant werden (PROGRESS). Genau deshalb sind Standortwahl, Abstände und Abschaltzeiten wichtig – nicht der pauschale Verzicht auf Windkraft.

Das macht Windräder also nicht harmlos – aber sie sind nicht der Grund, warum es insgesamt weniger Vögel und Insekten gibt. Dessen Haupttreiber liegen woanders.

Vertiefung

Zwei Dinge werden hier vermischt:

  1. Direkter Vogelschlag an Windrädern – real, aber in der Menge klein gegenüber Katzen, Glas und Verkehr. Über Standortplanung, Abschaltzeiten und Abstände lässt er sich weiter senken.
  2. Der allgemeine Rückgang von Vögeln und Insekten – dessen Haupttreiber sind nach dem Forschungsstand Intensivierung der Landnutzung, Pestizide, Verlust von Lebensräumen und der Klimawandel. Die Windkraft spielt dabei keine treibende Rolle.

Wer beides gleichsetzt („Windräder = Artensterben"), schiebt die Ursache von den großen Treibern (u.a. Landwirtschaft, Flächenverbrauch) auf einen kleinen – und lenkt von den wirksamen Hebeln ab.

Fair bleibt: An sensiblen Standorten und für einzelne Greifvogelarten ist Vogelschlag ein ernstes Naturschutzthema. Die Antwort darauf ist kluge Standortwahl – nicht der Verzicht auf Windkraft mit dem Argument „Vogelschutz".

Wissenschaftlich

Größenordnung statt Einzelfall. Anschauliche Einzelbilder (ein toter Greifvogel unter einem Mast) sagen nichts über die Gesamtwirkung. Aussagekräftig sind Schätzungen der jährlichen Verluste pro Ursache – und dort rangiert die Windkraft um Größenordnungen unter Katzen, Glasfassaden und Verkehr.

Population statt Individuum. Naturschutzfachlich entscheidend ist, ob eine Ursache den Bestand einer Art gefährdet. Für die meisten Arten ist das bei Windkraft nicht der Fall; Ausnahmen betreffen einzelne kollisionsgefährdete Arten an bestimmten Standorten, weshalb Genehmigungen artenschutzrechtliche Prüfungen und Abschaltauflagen vorsehen.

Ursachenanalyse des Artenrückgangs. Der dokumentierte Rückgang von Feldvögeln und Insekten korreliert vor allem mit landwirtschaftlicher Intensivierung (Pestizide, Monokulturen, Verlust von Saumstrukturen) und Lebensraumverlust. Eine Zuschreibung an die Windkraft ist eine falsche Ursache-Wirkung.

Technik erkannt: Fehlender Bezugswert & falsche Ursache-Wirkung

Eine absolute Zahl getöteter Vögel wirkt dramatisch, bis man sie ins Verhältnis zu anderen Ursachen setzt – dann ist die Windkraft die kleinste. Und der allgemeine Artenrückgang wird der Windkraft kausal zugeschrieben, obwohl seine Haupttreiber woanders liegen (Landnutzung, Pestizide, Klimawandel).

Quellen

Alle Aussagen sind belegt. Primärquelle kennzeichnet amtliche bzw. originäre Daten (z.B. Statistisches Bundesamt, Fachstudien).

  1. Vögel und Windenergienutzung – Best-Practice-Beispiele und planerische Ansätze (BfN-Schriften 634) Primärquelle
    Bundesamt für Naturschutz (BfN) · 2022
  2. PROGRESS – Kollisionsopfer von Vögeln an Windenergieanlagen (Zusammenfassung) Primärquelle
    BioConsult SH u. a. (BMWi-Forschungsvorhaben) · 2016
  3. Windenergie an Land (Ausbau, Flächenbedarf, Naturschutz) Primärquelle
    Umweltbundesamt (UBA)